Friends of Emilio Estevez


Klassiker der Musikgeschichte: The Herbs
Mai 26, 2009, 9:07 am
Filed under: Gutes Essen, Musik

Nach dem Martin extrem erfolgreich den Musikjournalismus in unseren Blog eingeführt hat, möchte ich hier gleich anknüpfen und ebenso ein grandioses Album vorstellen, den Meilenstein des Gewürz-Hiphops, „Spice up your Live!“ von The Herbs.

herbs

Das Album fängt gleich schon sehr kontrovers an, der Frontrapper Mr. I Rhyme on Thyme wiederholt wieder und wieder, nahezu mantraartig die Zeile „I never was a poor kid / always knew that vanillla is kind of an orchid.“

Dazu hört man im Hintergrund das Schaben eines Messers, das eine Vanille-Schote auskratzt. Zunächst mag das koketieren mit der reichen Abstammung auf die Jugendlichen von der Straße noch abschreckend wirken, zumal The Herbs auch nicht, wie andere Rapper à la 50 Cent, versprechen, dass man es von der Straße ganz nach oben in die Gasträume der feinsten Restaurants schaffen kann. viel mehr wird hier eine zwei- bis drei-Klassengesellschaft besungen und für gut befunden. Immer wieder und wieder taucht dieser Topos des eleganteren Lebensstiles und der Unterschied zum Ordinären auf „Spice up your Life“ auf, etwa auch im mitreißendem Song „Salt in Your Wounds and in Your Soup“, wo voller Verachtung gesungen wird „I´m fleur de sel, the salt from the Carmaurge, while you´re just crap from Salzgitter, Dawg“. Experten streiten sich darum, ob The Herbs an dieser Stelle ironisch sind oder nicht; die Frage muss wohl letztenendes unbeantwortet bleiben. Sie fällt aber auch anbetrachts solcher Killer-Tracks wie „Oreganogasm“, „Cinncinati Cinnamon-City“ oder „Twist the Peppermill (Twice!)“ überhaupt nicht ins Gewicht. Mr I Rhyme on Thyme rappt, schreit und singt über das Würzen und das Abschmecken mit einer irrsinnigen, aufrechten Leidenschaft, die absolut ihres Gleichen sucht. Wer hält nicht vor schierer Begeisterung denAtem an, wenn es eben in „Cinncinati Cinnamon-City“ zu indisch anmutenden Hintergrundbeats heißt „You´re a bloody Wanker / I 1 2 3 Lanka. i 1 2 See where my parents where from / and I got my arom`“

Nahezu elegisch wird es dann im abschließendem, 20-Minütigem Schlusslied „Adding Something New to the Mixture“, wo The Herbs noch einmal alles bisher gesagte Revue passieren lassen, ein Rezept für Lammbraten vorstellen (das übrigens rückwärts abgespielt ein Rezept für türkischen Honig ergibt), zu gesampleten Mörser-Geräuschen elfenhaft vor sich hinsäuseln und abschließend einen deutschen Kinderchor singen lassen „Wir sind wie Safran – Lang, teuer und wir kommen in Fäden daher“, was eben so kryptisch wie genial ist.

Spice up your Life ist absolut jedem zu empfehlen, der auch nur den Hauch von Interesse an Musik oder an Gewürzen hat.

Christoph

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