Friends of Emilio Estevez


Was wird?

Es sind Probleme, die sonst nur Leute wie Goethe, Micaela Schäfer und Michael Phelps kennen: Auf dem Feld, das man beackert, ist irgendwann alles erledigt. Was soll noch kommen, wenn man schon alles gezeigt hat? Wenn man schon alles gewonnen hat? Und wenn man schon mehrfach über Walrosspenisse geschrieben hat?

Tja.

Die Freunde von Emilio Estevez standen (und stehen) eine ganze Zeit lang ratlos da. Was sollte man der verwöhnten Leserschaft noch bieten? Noch einen Kuchenwettbewerb? Noch mehr Bärte? Mehr Insider-Infos über die Partyinsel Amrum? Ausgetretene Wege gehen und einfach weitermachen?

Ganz sicher nicht. Dafür sind die Freunde von Emilio Estevez VIEL zu avantgardistisch.

Was kann dann noch kommen?

Womit geht es weiter, wenn es weitergehen muss?

Die Antwort ist letztlich verblüffend einfach.

Mit Thüringer Klößen.



Warum das Dschungelcamp eine hervorragende Sendung ist, Folge 2

Gerade ist mir siedendheiß eingefallen, dass ich ja noch etliche Gründe für die Grandezza des Dschungelcamps angeben wollte.

Es hätten großangelegte Vergleiche zwischen dem Jungen an der Handelsstation in Joseph Conrads „Herz der Finsternis“ mit Dirk Bach angestellt werden sollen, es hätte eine trivialpsychologische Analyse von Vincent Raven geben können und überdies ein kleines Essay zur Ästhetk der Brigitte Nielsen.

Aber irgendetwas ist mir wohl dazwischengekommen.
Tja.

Nächstes Jahr…



Warum das Dschungelcamp eine hervorragende Sendung ist, Folge 1
Januar 16, 2012, 2:33 pm
Filed under: Essen, Fernsehen, Kultur, Modernes Leben, Uncategorized

Das Dschungelcamp ist, wenn man es als das betrachtet, das interessanteste und unterhaltsamste, was das Fernsehen derzeit zu bieten hat. Vordergründig ist es eine Unterhaltungsshows, in der abgetakelte Stars eklige Sachen machen müssen. Dass sich Menschen, die ihrer medialen Präsenz hinterhertrauern Kakerlaken in den Mund stecken, ist weder für die Ex-Prominenz noch für die kakerlaken schön, schon klar. Das wird von jedem, der meint irgendwas über Moral/Ästhetik/Anstand/Prominenz/Scham/Darwinismus sagen zu können, oft und gerne überall herausposaunt. Nie war es leichter, irgendwie recht zu haben. Will man dem wiedersprechen, rutscht man leicht in die Position des ekellüsternen Primitiv-Fernsehzuschauers, der sich am Leid von anderen erfreut. Jaja.

Bedauerlicherweise geht in einer so offensiv geführten Diskussion, die längst entschieden schien, lange bevor die erste Folge der Show gelaufen ist, der ganze Facettenreichtum der Show völlig vernachlässigt. Was dort im Dschungel passiert ist nämlich wesentlich mehr als ein bloßes Zusammensitzen von Deppen mit Safarihüten, die Insekten essen müssen.

 

Ich werde in den nächsten Tagen in diesem Blog immer wieder über das Dschungelcamp schreiben und versuchen zu erklären, warum es sehenswert ist.

 

Folge 1: Der Maskentanz

 

„Ich bin ein Star, holt ich hier raus“ ist ist ein brillanter, in der Form kaum je dagewesener Schautanz von haltlos bröckelnden Fassaden und kunstvoll arrangierten Images, der in mitunter völligem Chaos endet. Der Mikrokosmos Dschungelcamp ist wenig mehr als eine Mischung aus Joseph Conrads „Herz der Finsternis“ und William Goldings „Herr der Fliegen“, verpackt in grellbunten, quietchenden, sich permanent selbstreflektierenden Pop. Sonja Zietlow und Dirk Bach (insbesondere letzterer ist eine ideale Personifizierung des Harlekins an der Handelsstation im Kongo, dem Herzen der Finsternis – dazu in einem kommenden Beitrag noch mehr.)

Eine künstlich geschaffene Gruppe von Menschen, die einander nur aus dem Fernsehen kennen sitzt nun im australischen Dschungel aufeinanderund versucht, eine Gruppe zu bilden und nebenbei noch selbst möglichst telegen die eigene Geschichte in die Kamera zu erzählen, um endlich wieder ins Gespräch zu kommen. Das ist soweit schon eine spannende Grundlage, was das Ganze aber in neue Sphären der Seltsamkeit hievt, ist das verkrampfte Festhalten am konstruierten Image. Insbesondere bei drei Personen ist dies bislang (ich schreibe das an Tag drei des Dschungelcamps) höchst spannend zu sehen. Der homophobe Magier Vincent Raven, Daniel Lopez und Micaela Schäfer haben präzise zugeschnittene Rollen, die sie zu erfüllen versuchen, was eine ernsthafte Kommunikation und eine funktionierende Gruppenbildung unmöglich macht. Ein interessantes Beispiel: Micaela rennt den ganzen Tag so gut wie nackt herum, druaf angesprochen kommen einige schmutzige Sätze, dann rutscht die Fassade, Micaela weiß nicht, was sie sagen soll, die Gruppe ist ebenso überfordert. Man steht herum, sagt sich nichts und RTL zeigt das betretene Schweigen vorerst unkommentiert. Dann rückt Micaela ihren Tanga zurecht, sagt wieder was versautes und geht irgendwo hin. Später wird sich selbstverständlich von den Moderatoren darüber lustig gemacht, was aber auch zu beobachten ist, und was eben wirklich spannend ist, ist das Wanken der Kunstfigur. Der folgende Spott der Moderatoren, der sich in bewusst und ganz explizit schlechten Witzen (also Wortspiel-schlecht, nicht boshaft!) führt das Ganze ins Greifbare zurück. Die im Dschungel zerfallende Hülle wird gefeiert. Gelächter, Lautstärke und die bunten Outits kleiden das Ganze ein. Das Ringen um das Image wird zum Pop erhoben. Noch spannender als der Fall Micaela wird der Falkl Vincent Raven. Der homophobe und permanent agressive Zauberer hat ein wesentlich schwerer zu transportierendes Image als Micaela – Sein „Ding“ ist es, dunkler, mysteriöser Vermittler zwischen dem Reich der Lebenden und der Toten zu sein – also absoluter Humbug. Die Rolle, die er zu spielen hat, ist ungleich schwerer als die von Micaela, die einfach nur ihre Nippel zeigen muss. Vincent muss auch dann, wenn er auf einer dreckigen Hängematte liegt, wenn er den Reis umrührt, wenn er in der Dschungelprüfung ran muss und dann, wenn er mit anderen Image-Menschen redet, die ihrer Rolle bedingt inkompatibel zu ihm sein müssen, der dunkle, mysteriöse Zauberer bleiben und um jeden Preis seine Ernsthaftigkeit wahren. Ein Ding der Unmöglichkeit, aber er wird es versuchen. Und es wird unterhaltsam sein, ihm dabei zuzugucken.

Dieses Spiel, dass sich die Kandidaten selber aufgebürgt haben, ist es, was das Dschungelcamp so großartig macht. Das Nebenbei Kakerlaken gegessen und Emu-Blut getrunken werden müssen, sorgt nur für noch mehr Druck auf die Kandidaten und ist eine weitere Belastungsprobe für das Image.

Mitleid mit den Kandidaten kann man habe, aber nicht, weil sie eklige Dinge machen müssen. Das sind einfache Überwindungsaufgaben, denen man sich stellen kann oder nicht. Auch nicht, weil sie von den Moderatoren verspottet werden, denn das sind, wenn auch teilweise geschmacklose, Witze, die jeder über sich ergehen lassen können muss, der ernsthaft mediale Präsenz einfordert. Vielleicht können Sie einem leid tun, weil sie so viel falsches Mitleid bekommen, aber das ist eine andere philosophische Frage.



Filmkritik „Red State“

Was für ein Humbug!

„Red State“ fängt, nach einer Schulstunde, in der erklärt wird, was das Thema des Films ist (religiöse Eiferer, Schwulenfeindlichkeit, die so extrem ist, dass sogar die Nazis sich davon distanzieren), damit an, dass drei junge Leute sich im Internet mit einer älteren Dame zum „ficken“ verabreden. Es gibt einige extrem unangenehme Dialoge über pubertäre Sexfantasien, bei denen sich insbesondere ein gewisser Supertyp namens Billy Ray hervortut, der offenbar mit allen Wassern gewaschen ist bzw. schon viele Pornos gesehen hat. Demzufolge finden die anderen ihn wohl auch irgendwie am besten, obwohl eigentlich ein anderer von den dreien der Hauptakteur ist, was aber, wie man im Weiteren sehen wird, keine Rolle spielt. Billy Ray ist jedenfalls der erste große Höhepunkt des Films. Hier eine kurze Erläuterung der Figur:

Man sieht hier
A – Billy Ray trägt stets kurze Hosen. Keine coolen Shorts, sondern einfach nur kurze Hosen. Billy Ray kanns tragen.
B – Billy Ray trägt Tennissocken (zwei Streifen), die ganz unironisch immer gleichmäßig hochgezogen sind. Sie sind immer sauber, denn so ist Billy Ray!
C – Das ist hier leider wegen der Dunkelheit nicht zu erkennen: Billy Ray hat eine vorildliche Frisur. Hinten sind die Haare extrem lang und schön glatt gekämmt, vorne sind sie kurz gestutzt. An den Seiten sind sie hübsch rasiert, so dass eine Frisur entsteht, die entfernt an die des Wrestlers Brian Knobbs (von den Nasty Boys) erinnert – bloß in schwarz und in total gutaussehend.

Die drei Supertypen fahren dann raus aufs Land, wo die Frau aus dem Internet, die sie „so richtig ficken“ (Zitat Billy Ray) wollen in einem Wohnwagen wohnt. Unterwegs rammen sie, voller Vorfreude auf das, was sich bald mit der alten Frau im Wohnwagen abspielen wird, ein Auto, steigen aus, gucken und fahren dann lüstern weiter. Im gerammten Auto hatten zwei Männer mit Village-People-Bärten Oralsex, von denen einer zufälligerweise Polizist ist, was später natürlich noch total wichtig wird. Vorerst ist das alles aber erstmal egal, denn die Jungs sind wild und voller Hormone. Nach einer kurzen, ergebnislosen Diskussion darum, ob es nicht voll schwul ist, wenn drei pubertäre Jungs gleichzeitig nackt in einem Raum mit einer älteren Dame „so richtig ficken“, kommen die drei mitten im Wald bei der alten Frau an und trinken Bier, das aber vergiftet ist.

Der Hauptdarsteller wacht in einem Käfig in einer Kirche auf, wo ein alter Prediger eine WIRKLICH EXTREM LANGE Rede über Sittenverfall hält und sagt, dass die Schwulen schuld seien. Die religiösen Fanatiker klatschen, dann werden ein paar Kinder aus der Kirche herausgebracht und ein in Frischhaltefolie eingewickelter Mann erschossen. Er fällt durch eine Luke in den Keller, wo Billy Ray und der dritte junge, ebenfalls eingewickelt in Frischhaltefolie, sitzen. Billy Ray, inzwischen nackt, kann sich in Folge dessen befreien und lässt seinen Freund zurück, den er ist Billy Ray and that´s the way he is!
Es kommt dann, wegen dem Unfall der Jungs, ein Polizist zu der Kirche und wird nach kurzer Unterhaltung von dem alten Priester erschossen, weshalb ein anderer Polizist John Goodman anruft, der inzwichen beim FBI arbeitet.
Der nackte Billy Ray läuft währenddessen durch den Keller der Kirche, wo er ganz viele Gewehre findet. Er erschießt jemanden und wird dann selber erschossen, was sehr ärgerlich ist.
Das FBI rückt dann an und es kommt zu einer IRRSINNIG LANGEN Schießerei, bei der kaum einer stirbt. Der dritte Junge, der an den nackten Billy Ray gefesselt war, läuft weg und wird vom FBI erschossen – Uuups! John Goodman steht auf einmal in einem Stall (es wird leider nicht erklärt warum) und informiert sich darüber, ob es okay ist, auch die Kinder in der Kirche zu erschießen. Dann geht die immer noch anhaltende Schießerei weiter, bloß beginnt das FBI jetzt auch mal zu treffen. Der Hauptdarsteller-Junge läuft mit einem Mädchen aus der Kirche heraus und beginnt mit John Goodman zu reden und erklärt, dass er eine Geisel sei, woraufhin er und das Mädchen kaltblütig erschossen werden. Es wird noch ein Weilchen weiter geschossen bis aus dem Nichts eine Sirene ertönt. Offenbar kündigt sich die Apokaylpse an, weshalb die Schießerei aufhört. Der alte Prediger erzählt irgendwas, dann wird auf ein Büro im FBI-Gebäude geschnitten, wo John Goodman erzählt, dass die Sirene den Nachbarn gehört hat. Dann kommt der alte Prediger ins Gefängnis und der Film ist vorbei.

„Red State“ ist eine absolute Frechheit. Alles passiert ohne jeden Zusammenhang, die Hauptdarsteller sind, den großartigen Billy Ray mal ausgenommen, völlig indiskutabel besetzt, die Dialoge sind bescheuert, die Handlung ist eine Aneinanderreihung von zufälligen Begebenheiten und das eigentliche Thema, nämlich Homophobie im streng-religiösen Rahmen, wird völig unter den Tisch fallen gelassen. Das Ende, obwohl langeherbeigesehnt, ist unbefriedigend und noch dümmer als der Rest vom Film. Bis auf die Szenen mit Billy Ray ist nichts lustig, nichts spannend, nichts unterhaltsam. Niemand sollte sich diesen Film ansehen.



Apothekenschaufensterkritik
Mai 22, 2011, 6:59 pm
Filed under: Kultur, Modernes Leben, Unterwegs

Es ist nicht leicht, einen tatsächlichen Bezug zwischen Sonnenschutzberatung und einem Zeichentrickigel herzustellen, aber mit viel Nachdenken ist es möglich, ja, eigentlich sind die Zusammenhänge, wenn man sie erst gefunden hat, unübersehbar.
Es ist allerdings nicht ganz klar, ob das dunkelhäutige Baby mit der lächerlich-großen Sonnenbrille und den lolitahaft zum Kuss geformten Lippen vor zuviel Sonneneinstrahlung warnen soll (dann wäre die Dekoration rassistisch) oder nicht (dann ist die Dekoration nur drollig).
Was das für komische, gelbe Dinger in der Hängematte sind, ist ebenfalls der Spekulation überlassen.
Überdies ist mir als biologischem Laien unbekannt, ob Igel Kehlköpfe haben. Ich bitte in dieser Frage um Aufklärung.



Upcoming Trends: Eier
Februar 14, 2011, 11:22 am
Filed under: Amerika, Ankündigungen, Essen, Gutes Essen, Kultur, Modernes Leben, Musik

Hi, szeneaffine In-Crowd!

Hurra, sie schafft es immer wieder! Lady Gaga lässt sich in einem Ei anliefern!

Als Lifestyle-Experte, der ich nunmal bin, kann ich nur applaudieren! Das wird das nächste ganz große Ding! Eier werden wieder ganz groß! (Ich verzichte auf naheliegende Witze hierzu und verweise auf die leider/Gott sei Dank nur einmal ausgestralte „Jetzt-gehts-an-die-Eier“ – Promi-Oster-Show, die Hella von Sinnen und Hugo Egon Balder vor geraumer Zeit mal in der Schüko-Arena in Bielefeld gemacht haben – Stundenlang Witze, mit nichts mehr als der Zweideutigkeit des Themas Eier, dazu dieser derangierte Boxer, der immer für Grillzubehör auf seiner Schirmmütze wirbt)

Jedenfalls: Eier! Top! Der im Vergleich zur Hühnergrippe oder BSE lahme Dioxin-Skandal ist egal, jetzt wird gefeiert! Die kommenden Möglichkeiten sind immens!
Wir bleiben dran!



Weg vom Fenster – Hin zum Alltagsdadaismus!
Januar 10, 2011, 9:43 am
Filed under: Impressionen de l'urinal, Kultur, Modernes Leben

In Gelsenkirchen gibt es ein Fachgeschäft für Kissen, die man auf die Fensterbank legt, auf die man sich stützen kann zum langen, professionellem Drauflehnen. Dort habe ich mich staunend eingedeckt und dementsprechend in der Folge lange Zeit damit zugebracht, aus dem Fenster zu gucken. Da jetzt aber alles gesehen wurde, was man beim Aus-dem-Fenster-gucken nun mal sehen kann, ist der Glamour dieser Freizeitbeschäftigung wieder verflogen. Deswegen ist jetzt u.a. auch wieder Zeit zum Bloggen.

Tja, und wenn man endlich weg vom Fenster ist, fallen einem wieder die Kleinigkeiten des Lebens auf, für die man vor lauter Szeneaffinität den Blick verloren hat. Zum Beispiel die Piktogramme, die die Firma mit dem wohlklingenden Namen „TORK“ auf ihre Produkte druckt.

Wunderschön und hilfreich.

Ein bisschen so wie Lady Di.